Festschrift (28. und 29. Mai 1927)
Von der Jubelwehr.
Wenn die Feiwillige Feuerwehr
Freiheit in diesem Jahre das Stiftungsfest ihres 50 jährigen Bestehens
feiern kann, so hat der Tag eine besondere Bedeutung insofern, als auch zu
gleicher Zeit die Musikkapelle der Wehr auf eine 45jährige segensreiche
Tätigkeit zurückblickt. Eng miteinander verbunden erfreuen sich beide
Formationen allgemeiner Beliebtheit in der Gemeinde. Dieses liegt
begründet darin, daß es die freiwillige Feuerwehr als ihrer vornehmlichste
Pflicht betrachtet hat, alle ihre Kräfte nicht nur allein in den Dienst
der Nächstenliebe zu stellen, sondern alle im Interesse des Gemeindewohles
liegenden Angelegenheiten mit fördern helfen. Neben der harten Arbeit bei
Ausübung ihres Berufes als Feuerwehrmann haben die lieben Weisen
der Musik die kameradschaftliche Geselligkeit nicht nur allein in der
Wehr zu pflegen gewußt, sondern unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde
haben unter den rauschenden Eichen unserer Freiheiter Höhe Heimatfeste
stattgefunden, denen der wahre Dienst an Volk und Heimat zu eigen gewesen
ist.
Ueber die Geschichte der Wehr
läßt sich, soweit Aufzeichnungen vorhanden sind, folgendes berichten:
Nachdem in den größeren
Städten, wie auch in unserer Nachbarstadt Osterode, die Männer =
Turnvereine mit Unterstützung der Magistrate die recht im argen liegenden
Löschhilfe in die Hand genommen hatten, faßte man auch in unserer Gemeinde
Freiheit den Beschluß zur Bildung einer Freiwilligen
Feuerwehr. Es war am 11.
Mai des Jahres 1877, an einem Sonnabend abend. Der Männer =
Gesangverein Freiheit hielt seine Gesangstunde in der Konrad Otteschen
Wirtschaft ab, als der verstorbene Gemeindevorsteher Windhausen nach der
Singstunde die Aufforderung zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr an
die Mitglieder ergehen ließ. Die Mehrzahl der jungen Leute schlossen sich
der Bildung an und noch am selbigen Abend wurde die Gründung der Wehr mit
dem Hauptmann Konrad Otte an der Spitze vorgenommen.
Da die Mittel zur Beschaffung
einer Uniform nicht vorhanden waren, mußte man sich vorerst mit der
Anschaffung von Gurten begnügen. Im Laufe der folgenden Jahre konnte man
dann noch Helme und auch Arbeitsblusen anfertigen lassen. Eine liebe
Zuwendung von Stoffen seitens unseres verstorbenen Ehrenmitgliedes, Herrn
Kommerzienrates von Allwörden, versetzte die wehr in den Stand der
heutigen Einkleidung. Durch das Interesse der Gemeinde Freiheit
an der Feuerlöschbewegung traten in der Anschaffung von Geräten keine
Schwierigkeiten auf. Bis zur Erbauung des Spritzenhauses im Jahre 1878
mußten die Fahrzeuge in der damaligen Greveschen Scheune untergebracht
werden. Zuerst waren es Spritze und Schlauchwagen, aber schon im Jahre
1879 konnte man auf der Ausstellung des derzeitigen
Niedersächsischen Provinzial=Feuerwehr=Verbandstages in Osterode eine
Steigerleiter käuflich erwerben.
Nicht lange hatte sich die
neugegründete Wehr der Ruhe zu erfreuen. Schon am 9.Oktober 1877 konnte
sie eine Probe ihres Könnens ablegen und sich erfolgreich an der
Bekämpfung eines Schadenfeuers in der Knierimschen Fabrik in Osterode
beteiligen, bei dem auch der Feuerwehrmann Mühlhausen von der Feuerwehr in
Osterode zu Tode kam. Die darauffolgenden Jahre brachten viele und große
Brände in Osterode. Von dem Kirchturmbrande am 7.Mai 1882 bis zum heutigen
Tage, einschließlich des Großfeuers am 6.September 1895, bei dem 52
Wohnhäuser und Nebengebäude dem Feuer zum Opfer fielen, finden wir die
Wehr auf ihrem Platze. In der Gemeinde Freiheit waren 5 Brände im Laufe
der Zeit zu verzeichnen. Die Zahl der Teilnehmer an auswärtigen Bränden
mag auf etwa 150 belaufen, genau läßt sich diese nicht mehr feststellen.
Die Wehr hatte im Laufe der Jahre 6 Hauptleute, es waren dies die
Kameraden Konrad Otte (1877-1878), Fritz Nothdurft (1878-1885), Otto
Rosenthal (1885-1908), Friedrich Merten (1908-1913), Louis Plümer (1913
bis 1919> und Hermann Schmidt (1913-1926). Letzterer gehörte
auch dem Vorstande des Harzgau = Feuerwehrverbandes an. Als
Nachfolger wurde August Goedeke gewählt, der die Wehr heute kommandiert.
Ihm zur Seite steht als Stellvertreter Albert Nothdurft.
Von den damaligen Gründern
sind heute noch in der Gemeinde Freiheit 5 am Leben. Fs sind dieses August
Meiselbach, Louis Merten, Carl Borchers, Wilhelm Jahn, und Anton Schaper,
wovon ersterer noch als aktives Mitglied der Wehr angehört und an allen
Uebungen wie auch Feuerlöscharbeiten regen Anteil nimmt.
Die Jubelwehr zählt
gegenwärtig 4 Ehrenmitglieder und 92 aktive Mitglieder, wovon 78 Mann
eingekleidet sind. Sie setzt sich aus drei Zügen, und zwar je 1
Steigerzug, 1 Spritzenzug und 1 Hydrantenzug, zusammen.
In einer würdigen Feier
gestaltete sich die Einholung der neuen Magirus = Feuerwehr = Leiter am
9.Mai 1925. Im imposanten Festzug wurde vom Bahnhof Osterode die Leiter
mit Steigerbespannung
und der Feuerwehrkapelle
feierlich in die Gemeinde eingeholt und vom verstorbenen Hauptmann Hermann
Schmidt dem Steigerführer Louis Mackensen übergeben. Es sei besonders
erwähnt, daß die Mittel für die Beschaffung der neuen Leiter durch
freiwillige Sammlungen in der Gemeinde Freiheit aufgebracht worden sind,
wofür allen Helfern und Spendern an dieser Stelle nochmals herzlich
gedankt sei.
Der furchbare Weltkrieg hat
auch in unserer Wehr fühlbare Lücken hinterlassen. Zur Fahne einberufen
wurden 46 Mitglieder. Auf dem Felde der Ehre sind geblieben die treuen
Kameraden:
Heinrich Wedekind, Karl Plümer,
August Zankanan, Wilhelm Ostermeier, Wilhelm Demel, Karl Bohn und Willi
Meve. Die Wehr wird ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren.
So steht denn die Wehr heute
mit allen entsprechenden Ausrüstungsgegenständen, soweit es die
Bedürfnisse erfordert, gerüstet da und ist auf alle Vorkommnisse
vorbereitet. Wie bisher, so hoffen wir auch ferner allen Anforderungen zu
genügen und im Dienste der Nächstenliebe und zum Schutze der Allgemeinheit
getreu unsere Pflicht tun zu können eingedenkt des Wahlspruches:
,,Gott zur Ehr, dem Nächsten
zur Wehr!"