Julius Schumacher:
Die neun Eichen der Freiheit
Historischer Harz-Heimatroman aus dem 16. Jahrhundert
Die Bilder zeichnete Karl
Finger, Osterode (Harz),
das Bild, Innentitel (Alte Burg) Berta Tetzner, Osterode (Harz)
Druck und Verlag Giebel &
Oehlschlägel, Osterode (Harz)
Umfang: 240 Seiten



1.Auflage. 1938,
In den Jahren 1949 und folgende erschien in der
Beilage des Osteroder=Kreisanzeiger" die Serie "Die neun Eichen der
Freiheit"
2. Auflage 1951
Vorwort zur l. Auflage
Ein Erlebnis, welches ich in der Silvesternacht 1936/37 hatte, brachte mir
wieder mal recht eindringlich die Erkenntnis, daß meine Liebe zu den
Heimatbergen, Tälern und Wäldern, die ich mit vielen Dorrbewohnern teile,
ganz besonders in den Herzen der fern der Heimat weilenden Landsleuten
wohnt. In der Ferne erst lernt man die Heimat so recht schätzen und
lieben, sehnsüchtig gehen die Gedanken und Erinnerungen oft dahin. Mit
großem Interesse und besonderer Freude werden Nachrichten aus und über die
Heimat von ihnen aufgenommen.
Aus dieser Erkenntnis
heraus reifte in mir der Entschluß, eine Heimaterzählung zu schreiben, die
auf geschichtlicher Grundlage ein Stück aus der Vergangenheit unseres
Dorfes Freiheit, sowie der Städte Osterode, Herzberg und unserer engeren
Heimat behandelt.
Ueber eins war ich mir
dabei sofort im Klaren, wollte ich das Heimatgefühl auch bei meinen
Freiheitern damit stärken und darüber hinaus auch noch entfernter stehende
Kreise interessieren, dann durfte ich keine nüchterne geschichtliche
Abhandlung über unser Dorf schreiben, dann mußte ich, soweit meine
Phantasie reichte, das wenige geschichtlich Wahre, welches ich bei den
Chronisten Wendt, Renner und Max über die „Freiheit" fand, dichterisch
ausschmücken und gestalten. — Ich habe das versucht; wie weit mir dieses
gelungen ist, darüber mag der Leser selbst entscheiden. —
Zu der Erzählung selbst möchte ich noch sagen: Für mich gilt es als
feststehend, daß das Gericht „Neun Eichen", das vom 14. Jahrhundert, nach
unserer Zeitrechnung, ab öfter in den Osteroder Huldebriefen erwähnt wird,
seine Mahlstatt am Burghalse der damaligen Herzogsburg, heute im
Volksmunde „Alte Burg" genannt, hatte. Ferner, daß die ersten Siedler, die
in der Gegend von Osterode und Freiheit siedelten, nicht dort ihre
Wohnhütten aufbauten, wo sie von dem Hochwasser der Söse, zumindest jedes
Jahr bei der Schneeschmelze, bedroht waren. Sie werden am Abhänge des
Butterberges, dem heutigen Gümpelhof und einem Teil des Johannisfriedhofes
gesiedelt haben. Denn der Chronist Zeiler weiß schon von einem heidnischen
Götzenaltar, der in der Nähe dieser Stätten gestanden haben soll und von
Bonifatius zerstört wurde, zu erzählen.
Wenn wir zu diesem noch
unsere heimischen Orts-, Fluß- und Flurbezeichnungen nach keltischen
Urstammworten erforschen, wie es Herr Hauptlehrer i. R. Wilhelm Oehlkers
getan hat, dann wird uns die oben genannte Ansicht zur glaubwürdigen
Gewißheit.
Neben dem vom Sachsenherzog Bruno gegründeten Ort "Brunsrode", der an dem
heutigen Schäferberg gelegen haben soll, ist die Stätte, an der die „Alte
Burg" steht, als ältestes Siedlungsgelände in der Nähe der Stadt Osterode
zu bezeichnen.
Pastor Max glaubt, in seiner „Geschichte des Fürstentums Grubenhagen"
feststellen zu können, daß die ersten Bewohner des Dorfes Freiheit (es
werden sich nur einige, Wohnstätten unterhalb der Burg befunden haben)
steuer- und kontributionsfrei waren. — Aus einem anderen Dokument, welches
der Herzog Albrecht im Jahre 1474 der Stadt Osterode gab, ist sogar zu
ersehen, daß die Freiheit ein gewisses Asylrecht hatte, das heißt, wenn
ein Gesetzessünder sich in den Schutz der Freiheit stellte, dann war er
vor dem Zugriff der Stadtrichter und sogar vor dem Herzog selber
geschützt. Eine Tatsache, die auch für das Vorhandensein eines Gerichtes
auf der Freiheit spricht. Aehnliche Rechte genoß, wie mir mitgeteilt ist,
auch der Ort „Die kleine Freie" bei Hannover. —
Einer der sympathischsten
und markantesten der Grubenhagenschen Herzöge war wohl der Herzog Ernst
IV. (1551—1567). So rühmt der Chronist von ihm seinen kindlichen Gehorsam
gegen seinen Vater, die innige Eintracht, in welcher er mit seinen Brüdern
lebte, seine Friedensliebe, trotz aller kriegerischen Tüchtigkeit, seine
Gerechtigkeitsliebe, die treue Sorge für das Wohl seiner Untertanen und
seine Mäßigkeit im Essen und Trinken. — Vor seinem Regierungsantritt stand
der Herzog Ernst im Dienste des Kurfürsten von Sachsen. So befehligte er
im Jahre 1545 die sächsischen Truppen, welche gegen Heinrich den Jüngeren
von Wolfenbüttel kämpften. Die Streitmacht, welche ihm zur Verfügung
stand, wird mit 1000 Reitern und 8500 Fußknechten, sowie 8 Stück grobe
Geschütz angegeben — In dem Treffen bei Kalefeld im Alten Amt Westerhof
geriet Heinrich der Jüngere mit seinem Sohn Carl Viktor als Gefangener in
die Hände des Herzogs Ernst — Im Jahre 1546 befehligte er unter dem
Oberbefehl des Kurfürsten von Sachsen 150 Lanzenreiter und nimmt an dem
Angriff auf das Lager Kaiser Carl V. teil. — In der Schlacht bei Mühlberg,
1547, in welcher das sächsische Heer in überraschendem Angriff von den vereinigten
Truppen des Kaisers, seines Bruders Ferdinand und des Herzogs Moritz,
geschlagen wurden, geriet der Herzog Ernst mit dem Kurfürsten von Sachsen
m die Gefangenschaft des Kaisers.
Nach seinem
Regierungsantritt schloß Herzog Ernst am 10 November 1556 einen
Dienstkontrakt mit Philipp II. von Spanien, in welchem er sich
verjpflichtete, gegen ein Gehalt von jährlich 3000 Gulden, dem Spanier von
seinem Fürstentum aus jederzeit dienstgewärtig zu sein und die
übertragenen Dienste persönlich zu verrichten. — Schon im folgenden Jahre
erhielt Herzog Ernst die Aufforderung, mit 1000 reisigen Schützen in
schwarzer Rüstung, sogenannten schwarzen Reitern, für den König von
Spanien in den Niederlanden zu kämpfen. Den Sieg, den die Spanier über die
bei St. Quentin angreifenden französischen Truppen errangen, haben sie
wohl in der Hauptsache der Tapferkeit der deutschen Hilfstruppen zu
verdanken. In dieser Schlacht, die am 10. August 1557 stattfand, fiel der
Bruder des Herzogs Ernst, der Herzog Johann von Grubenhagen.
Im folgenden Jahre zog
der Herzog nochmals für die Spanier nach den Niederlanden. Auch hier hat
der Herzog mit seinen schwarzen Reitern an der Entscheidungsschiacht bei
Gravelinea am 13. Juli 1558 teilgenommen. — Ob der ihn begleitende
Pfarrherr Andreas Domeyer, der die Reformation in Osterode eingeführt hat,
schon bei dem ersten Zug nach den Niederlanden im Jahre 1557 starb oder im
folgenden Jahre 1558, kann ich nicht genau feststellen. Nach Max ist dies
schon im Jahre 1557 geschehen, nach einer anderen Lesart erst im Jahre
1558. —
Im Jahre 1561 bezog der
Herzog Ernst das ehemalige Nonnenkloster in Osterode, das er sich zu
seiner Residenz hatte herrichten lassen. — Sein Jagdbedienter der Jäger
Sipelitz, hatte nach Max wohl das Amt eines herzoglichen Jägermeisters
bekleidet. — Der Kanzler Spiegelberg ist eine sehr umstrittene Person
gewesen, denn es schreibt der Stolbergsche Rat Dr. Franz Schüßler über den
Kanzler Spiegelberg: „Man muß den Mann etwas schmieren, oder jedes
Schmiere vertrösten, denn er sucht Finanzen."
Der höchste Beamte des
Herzogs war der Landdrost Otto von Berkefeld, nach der Geschichte ein
angesehener reicher Mann.
Im Jahre 1554 gab Herzog
Ernst die Bergfreiheit, er führte dadurch die Besiedlung des Harzes durch.
Herzog Ernsts Gemahlin
war Margarethe, die Tochter des Herzogs von Pommern. Die einzige Tochter
des Herzogpaares, Prinzessin Elisabeth, verheiratete sich im Jahre 1568
mit dem Herzog Johann von Schleswig-Holstein, dem höhne Friedrich II. von
Dänemark. Sie wurde somit eine Urahne der letzten deutschen Kaiserin
Auguste Viktoria Herzog Ernst starb am 2. April 1567. Seine Ruhestätte
befindet sich vor dem Altar der St. Aegidienkirche in Osterode an der
Seite seines Vaters, des Herzogs Philipp.
Hiermit habe ich den Lesern einen kurzen Blick auf den, geschichtlichen
Untergrund gegeben, auf welchem diese Heimaterzählung aufgebaut ist.
Freiheit, im Februar
1938.
Julius Schumacher.
Vorwort zur 2. Auflage
Der Roman hatte bei seinem Erscheinen solchen Anklang gefunden, daß die l.
Auflage schnell vergriffen war. Ich bin daher dem Verlag Giebel &
Oehlschlägel dankbar, daß er es trotz der Ungunst der Zeit ermöglicht hat,
das Buch wieder herauszugeben, und der Roman so erneut in die Hände aller
Freunde der Heimat gelangen kann.
Freiheit, Ostern 1951.
Julius Schumacher.