Heimatstube Freiheit e.V.

 

Osteroder Kreisanzeiger 12.07.1997:

Schule 1897

Grundsteinlegung für das Freiheiter Schulgebäude vor 100 Jahren

 

Schulverweis vom Magistrat

 

Von Albrecht Schütze

 

FREIHEIT. Vor 100 Jahren, am 13. Juli 1897, fand die feierliche Grundsteinlegung für das Freiheiter Schulgebäude „Hauptstraße 81" statt. Es war bereits das dritte Schulhaus, denn die Schulerzahlen stiegen von Jahr zu Jahr.

Während das erste und zweite Schulhaus als Wohnhaus gebaut und zu Unterrichtszwecken umgestaltet worden war, legte man 1897, den Grundstein zu einem Gebäude, das ausschließlich als Schule genutzt werden sollte. Vier Klassenräume sollte das neue Schulhaus umfassen und bot damit, im Vergleich zur vier Jahre zuvor erbauten Bürgerknabenschule der Stadt Osterode, ein gleichwertiges modernes Schulhaus.

Anlaß zu diesem Neubaus mag auch ein Streit zwischen Osterode und der selbständigen Gemeinde Freiheit gewesen sein. Zahlreiche Freiheiter Kinder besuchten die Schulen der Stadt, zahlten dort auch das geforderte Schulgeld und blieben dennoch Gastschüler. Zum Jahresbeginn 1872 wurden sie von den Osteroder Schulen verwiesen, weil die Erwartung, Freiheit einzugemeinden, sich nicht zu erfüllen schien. In der Schulchronik steht dazu vermerkt „... mit drakonischen Mitteln versucht der Magistrat der Stadt Osterode den Anschluß an die Stadt zu erzwingen, welcher von den Bewohnern der Freiheit abgelehnt war..."

So nahm ab Januar 1872 die Schulraumnot in Freiheit erheblich zu. Weder ausreichend Schulraum, noch genügend Lehrpersonen waren für etwa 200 Schulkinder vorhanden. Die zum 15. Oktober 1872 wirksam gewordenen „allgemeinen Bestimmungen, über den Volksschulunterricht" führten dazu, daß ab Ostern 1873 in Freiheit eine dreiklassige Schule entstand, die jedoch nur mit zwei Lehrern besetzt war. Die Unterichtsversorgung verschärfte sich durch wachsende Erwartungen an die Schule bei steigenden Schülerzahlen und fehlenden Lehrpersonen.

Besonders durch den Fortgang des Lehrers Ferdinand Weisleder (1874) nach Northeim, drohte ein Notstand einzutreten. Der Gemeindevorstand beschloß trotz knapper Finanzmittel, den Lehrer Bergmann aus Lerbach als künftigen zweiten Lehrer mit dem gleichen Gehalt eines ersten Lehrers einzustellen, um die Unterrichtsversorgung zu sichern. Mit Lehrer Bergmann unterrichtete auch Lehrer Adolf Gölitz (l. Lehrer), der mit Pastor Schmidt sowie mit Pastor Max trotz der erschwerten Bedingungen zusätzliches Bildungsmöglichkeiten für sozial schwach gestellte Familien eingeleitet und umgesetzt hatte (Gründung der Industrieschule 1851 für junge Mädchen und Gründung der Kinderbewahranstalt).

Dieses zweite Schulgebäude (1844-1898), das auf dem heutigen Gelände „Parkplatz Kaisers" stand, konnte die schulischen Erwartungen der Gesellschaft schon lange nicht mehr erfüllen. Ein Bauplatz war schnell gefunden, die • Finanzierung wurde möglich gemacht, indem das alte Schulhaus verkauft wurde und die Brennholzablösung der Gemeinde, dazu eine Kreditaufnahme den Gesamtbetrag von 50 000 Mark abdeckten.

Am 13. Juli fanden sich zur Grundsteinlegung der Gemeindevorstand, Baurat Mende, Maurermeister Kirchhoff und viele Gemeindemitglieder ein. Pastor Fargel eröffnete die Feier mit einer Ansprache. Pastor Fargel legte anschießend einen vom Maschinenfabrikanten Wilhelm Friedrichs gestifteten Zinkblechkasten mit elf Dokumenten ein. Er beinhaltete Nachrichten unter anderem über die hiesigen Gemeindeverhältnisse, Nachrichten über die Entwicklung des hiesigen Schulwesens und zwei Ausgaben des Allgemeinen Anzeigers. Der Zinkkasten wurde verlötet und eingemauert.

 

 

 

 

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