Heimatstube Freiheit e.V.

 

Nachrichten über die Gemeinde Freiheit

Aufzeichnungen aus dem Jahre 1897

 

 

Über die Entstehung des Dorfes Freiheit bei Osterode a/Harz am Ausfluß des Lerbaches In die Söse gelegen, sich von der Osteroder Johannes=Vorstadt bis zum Walde im Tale des Lerbaches hinziehend, ist wenig bekannt. Wahrscheinlich ist es durch eine Ansiedlung am Fuße auf dem jetzigen Johannis=Kirchhof gelegenen alten Burg, die den Herzogen von Grubenhagen gehörte und von der gegenwärtig nur noch eine Turm steht, entstanden. Die Bewohner waren daher wohl zuerst Burgsassen. Später Hörige der dem Welfenhause angehörenden Herzoge von Grubenhagen. Am 4 April 1556 starb Herzog Phillip der Jüngere, mit welchem diese Linie des- Welfenhauses ausstarb. Das Land fiel zuerst an Heinrich Julius von Braunschweig, aber in dem Rechtsstreite, welcher sich zwischen ihm und den Lüneburgischen Herzögen erhob und der erst im Jahre 1617 sein Ende erreichte, blieb das Haus Luneburg=Celle Sieger. Bis in die Mitte dieses Jahrhunderts lagen auf den Reihehäusern sogenannte Herrendienste erst nach 1848 wurden dieselben abgelöst indem jede volle Reihestelle anstatt der Herrendienste jährlich 5 Taler bezahlen mußte. Dagegen blieben auf den Reiheställen noch die Verpflichtungen bei der Herstellung neuer Chausseen und ihrer Erhaltung Dienste leisten zu müssen. Diese kamen erst. In Wegfall, als der Wegeverband eingerichtet wurde.

Die Einwohner waren zum größten Teil Weber, Eimermacher und Eseltreiber. Die letzteren hatten dadurch ihren Erwerb, daß sie auf der alten Harzchaussee auf ihren Mauleseln das Korn von dem Kornmagazin in Osterode nach den Bergstädten Clausthal und Zellerfeld brachten. Diese Eseltreiberei hat ihr Ende gefunden zum Teil durch die Anlegung der Eisenbahn nach Clausthal=Zellerfeld, zum Teil durch die Anlegung weniger steilen Chaussee durch das Lerbachtal nach jenen Orten. Während früher 80 und mehr Maulesel in Freiheit gehalten wurden, gab es zuletzt nur noch 3, die auch im Jahre 1875 abgeschafft wurden.

Die Handweberei stand früher sehr in Blüte, so daß manche Leute es dadurch zum Wohlstand gebracht haben. Es gab 70 und mehr Webstühle.

Seit der Entstehung der Fabriken, welche auf mechanischen Webstühlen die Stoffe herstellen, ist die Handweberei sehr zurückgegangen. Jetzt sind nur noch 20 Webstühle vorhanden. Die Weber können nicht mit den Fabriken concurieren, sie verdienen daher jetzt nur einen geringen Tagelohn. Die Zeit Scheint nicht mehr fern zu sein, daß die Handweberei vollständig der mechanischen Weberei weichen muß.

Auch die Eimermachereien, deren es früher mehrere gab, besonders 'hervorragend waren die Firmen Johann Georg Mackensen und H. Hühne, sind nach und nach eingegangen. Denn die Holzeimer wurden im Gebrauch, mehr und mehr durch die Blech= und Eisenblecheimer verdrängt. In dem nahen Osterode gibt es noch mehre, Eimermachereien, in denen Eimermacher  aus Freiheit als Arbeiter tätig sind. Die selbständigen Eimermachereien in Freiheit sind  seit 1890 eingegangen.

Es gab auch 4 Töpfereien im Orte, die einen ziemlich ausgedehnten Betrieb hatten. Dieselben sind jedoch schon seit 1867 eingegangen.

Die Gemeinde Freiheit zählt gegenwärtig rund 1300 Seelen. 116 Wohnhäuser sind vorhanden, darunter 6 Fabriken, nämlich 4 Wollwaren, 1 Zigarren und 1 Maschanenfabrik An sonstigen größeren Geschäften sind vorhanden: 1 Gastwirtschaft, 1 Kaufmannsgeschäft, 2 Tischlereien, 4 Bäckereien, mehrere Schneider, Schuster und andere kleine Handwerker, auch eine Schönfärberei und chemische Waschanstalt.

In früherer Zeit gehörten noch zu Freiheit verschiedene außerhalb der alten Stadtmauer von Osterode erbaute Häuser und Fabriken, nämlich 15 zerstreut liegende Häuser, darunter 2 Fabriken, nämlich die Bleiweißfabrik, Harzer Bleiwerke und die Deckenfabrik Eulenburg, ferner die Gipsbrennerei und Ziegelei Augustental, das Osteroder Realgymnasium die Destillation von Böhlke & Schimmler und das „Rote Haus", jetzt Berggarten genannt; ferner noch verschiedene Wohnhäuser am Dielenplan und in der Eisensteinstraße. Im Jahre 1884 wurden diese Häuser und Etablissements der Stadt Osterode einverleibt, wofür die Gemeinde Freiheit eine jährliche Rente von 1500 Mark von der Stadt Osterode erhält.

Durch die Entstehung und Weiterentwicklung der oben schon genannten Fabriken ist Freiheit zu einem ziemlich bedeutenden Industrieort geworden, und teilt alle Vorteile und Nachteile eines solcher. Es ist der Gesamtwohlstand der Gemeinde durch dieselben gehoben, aber an Stelle der früher selbständigen 'Weber sind jetzt Fabrikarbeiter getreten.

Über die Entwicklung der Textilindustrie ist folgendes zu verzeichnen: In der Gemeinde Freiheit wurde in ähnlicher Weise wie in der Nachbarstadt Osterode a/Harz schon im vorigen Jahrhundert die Fabrikation von Tuchen, halbwollenen Beiderwand, Leinen und Drall, meistens als Hausindustrie, lebhaft betrieben, doch kann man als Anfang des eigentlichen Fabrikbetriebes erst das Jahr 1827 bezeichnen.  Von Anfang der dreißiger bis Mitte der sechziger Jahre, war ein entschiedener allmählich fortschreitender Aufschwung, namentlich in der Tuch=, Crating= und Deckenfabrikation zu verzeichnen.

Danach trat ein gewisser Stillstand und in den siebziger Jahren ein entschiedener Rückgang ein, sodaß in den achtziger Jahren einige Fabriken ihren Betrieb einstellen mußten. Mitte der achtziger Jahre gingen einige Fabriken in andere Hände über und ist seit der Zeit unverkennbarer Aufschwung zu verzeichnen, der bis heute angehalten hat. Die jetzt unter den Namen „Osteroder Wollgarn=Spinnerei G.m.B.H.“ existierende Fabrik wurde 1837—1838 von Koch & Greve zu dem Zwecke einer Tuchfabrik gebaut. Als solche bestand sie nur wenige Jahre und wurde bis zum Jahre 1853 darin Bleiweißfabrikation von dem Bankhause Gebrüder Horstmann in Celle betrieben, Durch Kauf ging sie ln die Hände von Hausmann & Hartmann über, die eine Spinnerei und Weberei von halbwollenen Waren einrichteten. Hartmann trat 1860 aus und Betrieb Hausmann bis' zum Jahre 1872 die Fabrik allein. Dann trat Hermann Köster ein und wurde nur Kunstwolle zu Webgarn verarbeitet. Hausmann trat sehr bald aus und beteiligte sich Anfang der achtziger Jahre F Wichehausen, welcher letztere Fabrik Im Jahre 1888 für alleinige Rechnung übernahm und sie in eine Aktiengesellschaft umwandelte, später in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung. Heute sind 6 Assortimente Spinnerei mit 1500 Spindeln im Betriebe und werden nur Garne zu Webzwecken hergestellt.

Die frühere Oelmühle von Ludwig Rohrmann ging 1841 durch Kauf in die Hände der Gebrüder Dameral über, welche eine Tuch=, Decken Velourfabrikation einrichteten. Dieselben schafften 1859 den ersten mechanischen Webstuhl an und Anfang der sechziger Jahre wurde, da die Wasserkraft nicht mehr ausreichte, eine Dampfmaschine erbaut. Die späteren Inhaber der Firma reüssierten nicht und mußten 1882 ihre Zahlungen einstellen. 1884 erwarben im Konkurse von Allwörden & Badendiek das Grundstück und bauten eine vollständig neue Fabrik auf demselben die sich im Laufe der Jahre erweiterte, und heute, 170 Arbeiter beschäftigt, die einen Durchschnittslohn bei 10,5 stündiger Arbeitszeit in der Woche 11M. 56Pf .verdienen, jugendliche und weibliche Arbeiter mit eingerechnet. Es werden Loden, Flanelle, Moltongs, Cheviots gearbeitet circa 15000 Stück das Jahr auf 81 mechanischen Webstühlen. Im Betrieb ist vollständige Fabrikation von der rohen Wolle bis zum fertigen Stück, Wollwäscherei, Färberei, Spinnerei, Weberei, Appretur.

Die jetzige Fabrik von Otte Gebser in halbwollenen Kleiderstoffen mit 8 mechanischen Webstühlen war bis zum Jahre 1885 eine Buckskingfabrik, welche von der Firma W.A.Greve sen. betrieben wurde

Im Jahre 1856 errichtete J.G.Mackensen eine Fabrik von wollenen Schlaf= und Pferdedecken, die auch heute noch von einem Großsohn Georg Levin, mit einem kürzlich eingetretenen Herrn Siering, unter derselben Firma betrieben wird.

Die Weberei von halbwollenen Beiderwand auf Handstühlen, welche in den sechziger und siebziger Jahren noch sehr als Hausindustrie florierte, ist immer weiter zurückgegangen, da der Artikel immer mehr aus der Morde kommt, und sind jetzt noch 12 Stühle davon in Betriebe.

Die jetzige Zigarrenfabrik ist im Anfang der dreißiger-Jahre dieses Jahrhunderts als Brennerei erbaut, in welcher Kartoffelbranntwein gemacht wurde. Diese hat aber nur 10 Jahre bestanden, dann ist in dem Hause eine Färberei gewesen; dann hat dasselbe auch als Brennerei gedient. 1867 hat die Firma "König & Compagnie in Braunschweig gekauft und eine Zigarrenfabrik darin eingerichtet. Diese Fabrik ist jetzt im Baubegriffenen Schulhause am Lerbach abwärts benachbart, durch einen der Firma König u. Co. gehörenden Garten von demselben getrennt Die Zigarrenfabrik beschäftigt gegenwärtig etwa 30 Arbeiter, Männer und Frauen.

Die frühere alte Schule (No.69), von welcher in den Nachrichten über die Schule geredet wird, hat im Jahre 1845 Wilhelm Bauer gekauft und eine Maschinenbauerei darin eingerichtet, 1870 hat dieselbe Wilhelm Friedrichs gekauft, der dieselbe noch jetzt von seinen ältesten Sohn unterstützt, betreibt. derselbe hat zuerst mit 8 Mann den Betrieb geführt jetzt beschäftigt er 24 Arbeiter.

Die Gemeinde wird geführt vom Vorsteher Gärtner Windhausen, (geb. 4.April 1820 in Osterode) welcher seinem Amtsvorgänger. dem Leggemeister Giere im Jahre 1870 folgte. Er verwaltet noch jetzt (1897) nach 27jähriger Amtstätigkeit sein Amt in Rüstigkeit und Frische. Seit 1875 führt der Weber August Wildt die Rechnung der Orts=und Schulgemeinde zur großen Zufriedenheit der Gemeinde. Als Beigeordneter des Gemeindevorstehers fungiert der Eimermacher L. Plümer. Gemeindeausschuß=Mitglieder sind die Herrn v.Allwörden, O. Gebser, W. Friedrichs, A. Kallmeyer, H. Mävers, L. Merten, O. Garnatz, Fr. Lüer, Andreas Nothdurft. Nachtwächter und Gemeindediener ist Heinrich Borchers (Sohn des Webers Christian Borchers).

Die Ablosung der Gemeinde= Bau= und Brennholzberechtigung hat im Jahre 1881 begonnen. Für beide Berechtigungen hat die Gemeinde ein Kapital von 22280 Mark erhalten. Diese Summe ist bisher auf Hypothek ausgeliehen, wird jetzt aber zur Deckung der Kosten des gegenwärtigen Schulneubaues verwendet.

Die Gemeinheitsteilung und Verkoppelung der zu Freiheit gehörenden Ländereien ist seit 1896 vollendet. Die Vorteile dieses Verfahrens sind lediglich der sogenannten Realgemeinde zu Gute gekommen, während die politische Gemeinde dabei leer ausgegangen ist.

Das Vereinswesen hat Inder Gemeinde folgende Entwicklung genommenen: Im Jahre 1862 wurde der „Männergesangverein mit 25 Mitgliedern gegründet, derselbe zählt jetzt 125 Mitglieder und hält seine Übungen in Gasthaus von Burchhardt ab. Seit seiner Gründung hat die Leitung des Gesangvereins bis auf den heutigen Tag der Dirigent der –Osteroder Stadtkapelle Herr Klingebiel. 1872 ist die Freiheiter Schützengesellschaft gegründet, deren Statuten hierbei niedergelegt sind. Der größte Teil der Mitglieder gehört der Gemeinde Freiheit an, da jedoch die Gesellschaft eine Aktiengesellschaft ist, so gehören auch auswärtige Mitglieder derselben an, welch, sich einen Anteilschein für 15M erworben haben. Die Gesellschaft hält jährlich im Juli ein 8 tätiges Schützenfest ab, auf dem an der alten Harzchaussee schön gelegener Schützenplatze. Im Mai 1877 ist die freiwillige Feuerwehr gegründet. Es wurde eine Feuerspritze für 2100 aus der Fabrik von C.Metz & Comp. in Heidelberg angeschafft, für welche im selben Jahre das Spritzenhaus mit Turm erbaut wurde. Glücklicherweise hat die Feuerwehr bisher keine Gelegenheit gehabt in Freiheit selbst in Tätigkeit zu treten. Sie hat aber öfter auswärts, namentlich indem benachbarten Osterode Hilfe geleistet. Denn es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß seit dem Jahre 1848 in Freiheit kein Brand vorgekommen ist, während in Osterode fast kein Jahr vergeht, in welchem nicht mehrere Male ein größerer Brand vorkommt. 1883 wurde der Kriegerverein gegründet, welcher zuerst 71 Mitglieder zählte, während er jetzt aus 102 Mitgliedern besteht. 1888 wurde die Fahne des Vereins geweiht. Am 21. und 22.März 1897 feierte der Verein in großartiger Weise die 100 jährige Wiederkehr des Geburtstages des Hochseeligen Kaisers Wilhelm I. des Großen, wie solches in den beiliegenden Nummern des Allgemeinen Anzeigers des Näheren berichtet wird. Bei der Feier der 400 jährigen Wiederkehr des Geburtstages von Dr. Martin Luther wurde auf dem Schützenplatze eine Luthereiche gepflanzt und zwar ist  es die Eiche, welche mehr nach dem Gebirge zusteht. Bei der Feier des 100 jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelm I. des Großen, wurde auf dem Schützenplatz die Kaiser Wilhelm I. Gedächtniseiche gepflanzt. Sie steht in der Richtung nach dem Sösetale zu.

An sonstigen bemerkenswerten Ereignissen, die noch in der Erinnerung des gegenwärtigen Geschlechtes leben, wird noch Folgendes verzeichnet: Am 27. Juni 1861 war ein  wolkenbruchartiger Reger, welche 2 Tage und 2 Nächte andauerte. Infolgedessen schwoll der Lerbach so hoch an, daß er den ganzen Ort überschwemmte. Bäume trieben herab, legten sich quer vor die Gebäude, so daß mehrere Ställe vollständig weggerissen wurden. Von Freiheit ab floß das Wasser durch die Johannisvorstadt. Wo es bei dem niedig gelegenen Gebäuden in die Fenster des unteren  Stockwerkes floß. Menscherleben sind in Freiheit nicht zu beklagen gewesen. Schlimmer noch ist die Wasserflut der Söse gewesenen. Dieselbe hat auf dem linken Ufer die Promenade unterspült, die Mauer und die Bäume weggerissen Ein junger Mensch, hatte sich an das Ufer gestellt, um den Wasserfluten zuzusehen, als der Boden unter seinen Füßen weggerissen wurde, sodaß er selbst in die Flut stürzte und ertrank. Die Stadt Osterode ist durch diese. Wasserflut großer Schaden erwachsen, da sie unter großen Kostenaufwande die Ufer der Söse durch Mauerwerk wieder einfassen lassen mußte.

Am 28. Juli 1895 zwischen 11 und 12 Uhr nachts war. ein furchtbares Hagelwetter, mit orkanartigem Sturm über die hiesige Gegend hereingebrochen, während. gerade das Freiheiter Schützenfest gefeiert. wurde. Auf den Schützenplatze wurde das Karussell 6 Meter weit weggetragen und dabei umgestürzt; das Restaurationszelt, war abgedeckt, in zwei. Zelte schlug der Blitz ein, doch glücklicher Weise ohne zu zünden. Es waren zwar viele von den Festteilnehmern verwundet. Aber Menschenleben sind nicht verloren gegangen. Im Bremketale hatte der Sturm einen fruchtbaren Windbruch angerichtet, für 1,5 Millionen Mark Wald war durch den Sturm umgebrochen. Manche Bäume waren durch den Sturm rundum gewirbelt und vollständig zersplittert. Fast zwei Jahre haben die Aufräumungsarbeiten gedauert und es ist noch nicht alles Holz abgefahren.

Es erübrigt nun noch eine Übersicht über die Steuerverhältnisse der Gemeinde zu geben. Folgende Steuerbeiträge werden von der Gemeinde aufgebracht:

 

1) Staatseinkommensteuer

  429 M

--

2) Ergänzungssteuer

  683 M

60Pf

3) 45% Grundsteuer

    84 M

65Pf

4) 45% Gebäudesteuer

  596 M

11Pf.

5) 36% Gemeideeinkommensteuer

1498 M

04Pf.

6) 45% Gewerbesteuer

  694 M

80Pf

7) Hundesteuer

  116 M

--

8} Betriesteuer

    20 M

--

9) Schulsteuer

3488 M

36Pf.

 

Vor zehn Jahren wurde nur die Hälfte der Steuern gezahlt, so sehr hat sich die Steuerkraft der Gemeinde gehoben.

Daß der Wohlstand der Gemeinde sich gehoben hat, ist auch den Einrichtungen für die allgemeine Volkswohlfahrt zu Gute gekommen. Im Jahr 1844 hat die Firma Schöttler die Straße zuerst chaussiert, dann hat das Bergamt die Chaussee übernommen und sie durch das Lerbachtal, durch das Dorf Lerbach am Schieferberg hinauf nach Klaustal weitergeführt. Später hat der Fiskus Die Chaussee übernommen, welcher noch jetzt für die Unterhaltung der Chaussee zu sorgen hat. Seit 1885 sind die Hauptstraße und einige Nebengassen in Freiheit abends erleuchtet und zwar bis 1896 durch Petroleumlampen. Seit 1896 wird durch elektrische Glühlichtlampen die Beleuchtung bewirkt welche von den Fabriketablissiment der Firma vor Allwörden und Badendiek aus mit Elektrizität gespeist werden. Dadurch ist Freiheit wohl eines der ersten Dörfer im Deutschen Reich gewesen, welches durch Elektrizität erleuchtet wird. - im Jahre 1892 erhielt Freiheit die Wasserleitung, wodurch der Ort von der Oberhalb Freiheit am sogenannten Eichenwäldchen im Lerbachtal entspringenden Quelle gutes Trinkwasser bekommt. Die Anlage der Leitung hat 20 000 Mark gekostet, wovon 18 000 Mark aus der Landeskreditkasse auf Amortisation angeliehen sind.

In den laufenden Jähret 1897 ist mit dem Bau einer Kleinbahn von Kreiensen-Osterode-Lerbach begonnen. Die Bahn wird dem Laufe der Chaussee durch Freiheit folgen und soll im Jahre 1898 vollendet werden.

Im Jahre 1897 ist die Telegraphenanlage hergestellt, wodurch die Fabriken im Eichental, von Allwörden und Badendiek und Friedrichs Telephonanschlüsse bekommen haben. 

Nun noch einige Notizen über- die Schule mögen hier folgender, deren Entwicklung durch Nachrichten des jetzigen ersten Lehrer Herr Bergmann vorstehend noch besonders geschildert wird. Das bis zur Vollendung des gegenwärtigen Schulhause benutzte Schulgebäude ist im Jahre 1844 neu errichtet und zu 2 Klassen und zur Wohnung für 2 Lehrer eingerichtet. Nach Vollendung des Neubaues wird das alte Schulhaus verkauft werden und der Erlös aus demselben wird zur Deckung der Kosten, des -Neubaues verwandt werden. Das Schulhaus war früher berechtigt zum Bezug von Bauholz und eines Quantums Brennholz von jährlich 30 Meter. Durch das Ablösungsverfahren hat die Gemeinde für beide Berechtigungen die Summe von 3818 Mark erhalten und für den Bezug der Zinsen die Deckung der Ausgaben für die Schule übernommen, indem das fehlende aus Gemeindemittel zugeschossen wird. Dieses gegenwärtige Schulgebäude ist im Jahre 1897 und 1898 erbaut und soll nach dem -Bauplane und Kostenanschlage etwa 42000 Mark kosten mit der inneren Einrichtung wird es im Ganzen die Summe von 50 000 Mark kosten. Die Kosten sollen gedeckt werden durch das aus der Brennholzablösung der Gemeinde zur Verfügung stehende Kapital von 22 280 Mark, durch den durch Verkauf des alten Schulhauses zu erwartenden, Erlöß von etwa 6000 Mark. Die fehlende Summe soll von der Landeskreditanstalt angeliehen und durch Amortisation getilgt werden. Der Schulvorstand besteht  aus folgenden Mitgliedern:- Fargel, Pastor sec.an St.Aegidien in Osterode als Vorsitzender. Fr. Bergmann, erster Lehrer der Schule in Freiheit. Kaufmann Aug. Kallmeier. Zeugmachermeister, Karl Beushausen, Weber Wilhelm Ehrlich Eimermachermeister Theodor Nothdurft. Die Oberaufsicht führt als Kreisschulinspektor der Superintendent und: Pastor Banstaedt an der St.Jakobi Schloßkirche in Osterode. Der erste Beamte des Kreises Osterode ist der Königliche Landrat Geheimer Regierungsrat Rossländer zu Osterode.

Es folgt hierunter noch ein Verzeichnis der gegenwärtigen Hausbesitzer in Freiheit.

 

Haus-Nr.

   

1

Friedrich Burchard,

Gastwirt

2

Bernhard Schmedemann,

Schumachermeister

3

Heinrich Mävers,

Rentier

4

Christian Merten´s, Ww.

Rentnerin

5

Karl Aschoff,

Zeugmachermeister

6

Ernst Hinrichs,

Kaufmann

7

Johannes Becker, J

Tischler

8

Adolf Koch, Ww.

Schmied

9

Wilhelm Ehrlich,

Weber

10

August Wassermann,

Fabrikarbeiter

11

Andreas Homburg,

Fabrikarbeiter

12

Louis Goslar,

Tischlermeister

13

Adolf Kohlstruck,

Zeugmacher

14

Louis Usbeck,

Webermeister

15

Andreas Borchers,

Schäfer

16

August Hühne,

Eimermacher

17

Wilhelm Lobert,

Weber

18

Karl Peinemann,

Maurer

19

August Weißleder,

Waldarbeiter

20

Heinrich Helbing,

Webermeister

21

August Wildt,

Werkmeister

22

Ferdinand Becker,

Weber

23

Fritz Borchers,

Maurer

24

Friedrich Böhme,

Weber

25

Ernst Leonhard,

Zeugmacher

26

Fritz Nothdurft,

Weber

27

AlbertS amson,

Färber

28

Ernst Lobert,

Fabrikarbeiter

29

Wilhelm Jahn,

Zeugmacher

30

Karl Meve,

Spinner

31

Georg Wildt,

Zeugmacher

32

Louise Lüllemann, (verw. Grösche)

Ehefrau

33

 Wilhelm Bierhance, Ww.

Lademeister

34

Karl Wildt,

Zeugmacher

35

Louise Niemeier,

Fabrikarbeiter

36

August Nagel,

Chausseewärter

37

August Macke,

Zeugmacher

38

August Becker,

Zeugmacher

39

Wilhelm Beushausen,

Zeugmacher

40

Wilhelm Lehnert,

Kaufmann

41

Christian Kiel,

Schneider

42

Friedrich Hundt,

Weber

43

Otto Gebser,

Fabrikant

44

Otto Rosental,

Zeugmacher

45

Wilhelm Borchers,

Zeugmacher

46

Heinrich Später,

Arbeiter

47

von Allwörden & Badendiek

Fabrikbesitzer

48

Wollgarnspinnerei Eichental  Aktiengesellschaft

 

49

Anton Lobert,

Maler

50

August Rott,

Tischlermeister

51

Georg Rott,

Handarbeiter

52

Fritz Stoffregen,

Weber

53

Heinrich Gümpel,

Steinbrucharbeiter

54

Fritz Ketler,

Büttner

55

Wilhelm Spillner,

Schlosser

56

Wilhelm Willig,

Fruchthändler

57

Louis Stöver,

Zeugmacher

58

Fritz Müller,

Fuhrmann

59

Karl Stoffregen,

Zeugmacher

60

Heinrich Bode,

Handarbeiter

62

J.C. Jena,

Zigarrenfabrikant in Braunschweig

63

Louis Plümer,

Roßschlachter

64

Wilhelm Wildt, Ww.

Zeugmacher

65

Fritz Lüer,

Weber

66

Levin (Fabrik Wolldecken)

 

67

Altes Schulgebäude

 

68

August Müller,

Weber

69, 70

Wilhelm Friedrichs,

Maschinenfabrkant

71

Heinrich Renziehausen,

Bäckermeister

72

August Meve, Ww.

 

73

Louis Maltzahn,

Bäcker

74

Theodor Fischer,

Zeugmacher

75

Karl Nolte,

Tischler

76

Heinrich Liebau,

Weber

77

August Kallmeier,

Fabrikant

78

Karl Dieckhoff,

Schlachter

79

Fritz Ude,

Dachdeckermeister

80

Emil Mangold,

Maler

81

Ww. Später,  geb. Merten

 

82

Georg Kohl,

Bäckermeister

84

Ludwig Eckert,

Bäckermeister

85

Ferdinand Hübener,

Realgymnasiallehrer

86

Karl Waßmann,

Kupferhammerschmied

87

Karl Beushausen,

Zeugmachermeister

88

Friedrich Weber, Ww.

Fuhrmann

89

Henriette Dörge,

Schneiderin

90

August Windhausen,

Gemeindevorsteher

91

Wilhelm Reißner,

Fabrikaufseher

92

Mai, Ludwig

Gipsmüllergehilfe

93

Karl Rojan,

Weber

94

Adolf Lobert,

Weber & Schankwirt

111

Bernhard Ehrlich,

Maschinenschlosser

112

Ernst Lange,

Schlosser

113

Fritz Strickroth,

Weber

114

Louis Lobert,

Weber

115

Adolf Koch,

Fuhrmann

116

Konstantin Metzner,

Tuchmacher

117

Friedrich Merten,

Wollsortierer

118

Ferdinand Kiel,

Schlachter

119

Anton Kehr,

Fabrikleiter

120

Julius Schuhmacher,

Tischler

121

Zacharias Gebhardt,

Nagelschmied

122

Ernst Gödecke,

Weber

 

Freiheit , den 13. Juli 1897

Der Gemeindeausschuss      Der Schulvorstand.

Der Vorsitzende

A.Windhausen                        gez. Fargel

                                                 Pastor sec.St.Aegidien zu Osterode a.Harz

 

 

 

 

 

 

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